Wenn die Katze alt wird
Der körperliche Alterungsprozess bewirkt Verhaltensänderungen
12.05.2008
Ruth Lisa Knapp
Die Katze wird alt und man sieht es ihr kaum an, denn sie bekommt keine Falten. Allerdings wirkt sich der Alterungsprozess auf Körper und Psyche aus. Bedürfnisse und Verhalten ändern sich. Als Halter sollte man darauf Rücksicht nehmen und ihr die letzten Jahre so angenehm wie möglich gestalten.
Katzen- und Menschenalter
Fünfzehn bis zwanzig Jahre alt werden Katzen, die überwiegend im Haus leben und nicht durch Unfall oder Krankheit vorzeitig sterben. Bei Freigängern wird die durchschnittliche Lebenserwartung auf nur sechs Jahre geschätzt. Die weit verbreitete Annahme, ein Katzenjahr entspreche sieben Menschenjahren, ist nicht richtig. Der Reifungs- und Alterungsprozess läuft nicht in gleichmäßigen Schritten ab. Eine einjährige Katze ist ausgewachsen und hat die Geschlechtsreife erreicht; sie wäre mit einem etwa 16-jährigen Teenager zu vergleichen. Zwischen zwei und acht Jahren befinden sich Katzen im besten Erwachsenenalter. Eine zehnjährige Katze ist etwa 60 Menschenjahre alt. Das 13. bis 16. Katzenjahr entspricht dem 70. bis 80. Menschenjahr. Eine Seniorenkatze, die das Alter von 20 erreicht, ist einem 95 Jahre alten Menschen vergleichbar. Eine Katze wird also sehr schnell erwachsen. Für das Altwerden nimmt sie sich viel mehr Zeit, wobei die Vitalität individuell unterschiedlich abnimmt. Kalendarisches und biologisches Alter stimmen nicht immer überein. Manche Katzen altern früher, andere später als der Durchschnitt.
Der körperliche Alterungsprozess der Katze
Die ältere Katze zeigt weniger Aktivität, obwohl der Spiel- und der Geschlechtstrieb bis ins hohe Alter erhalten bleibt, nur nicht mehr in der jugendlichen Intensität. Stoffwechsel und Hormonproduktion verlangsamen sich. Der Energiebedarf sinkt um ca. 20 Prozent, während der Bedarf an Proteinen und Vitaminen um ca. 100 Prozent steigt. Die ältere Katze braucht also weniger, aber höherwertiges Futter. Und sie sollte viel trinken, um Verstopfung und Nierenproblemen vorzubeugen. Da der Geruchssinn nachlässt, hat das Dosen- und Trockenfutter, das speziell für Seniorenkatzen angeboten wird, einen intensiveren Geruch. Gehör und Sehkraft lassen mit der Zeit nach, was aber lange recht gut kompensiert wird. Auch eine blinde Katze kann sich in ihrer gewohnten Umgebung noch orientieren. Die Organe werden anfälliger, Erkrankungen der Harnwege, Diabetes und die Neigung zu Tumoren nehmen zu. Manche alten Katzen bekommen Probleme mit den Gelenken, leiden an Arthrose, Arthritis oder Rheuma. Wenn das Klettern und Springen schwer fällt, sollte man ihnen den Zugang zu erhöhten Plätzen durch ein Treppchen oder eine Rampe erleichtern. Zähne und Zahnfleisch bereiten Probleme und sollten regelmäßig kontrolliert und gegebenenfalls behandelt werden.
Verhaltensänderungen bei älteren Katzen
Wie alte Menschen sind auch alte Katzen weniger flexibel. Veränderungen machen ihnen jetzt noch mehr zu schaffen als in der Jugend. Sie bestehen auf Ritualen und Gewohnheiten und können verängstigt oder aggressiv reagieren, wenn es nicht so läuft wie gewohnt. Das Bedürfnis nach Wärme und Ruhe nimmt zu. So sollte man eine alte Katze möglichst nicht mit einem neuen, jungen Artgenossen in der Wohnung konfrontieren, der ihr Territorium beansprucht und ihr Ruhebedürfnis stört. Aufgrund von Störungen im Lebensrhythmus, aber auch wegen der nachlassenden Sinne kann die Katze im Alter unsauber werden. Deshalb sollte man die Katzentoilette so aufstellen, dass sie leicht erreichbar und gut zugänglich ist. Wenn doch etwas daneben geht, wird ein Mensch, der sich viele Jahre lang an seinem Tier erfreut hat, nicht böse reagieren, sondern es der Katze verständnisvoll nachsehen, dass eben nicht mehr alles so problemlos klappt wie zuvor.
Die häufigsten gesundheitlichen Probleme alter Katzen
Frei lebende alte Katzen werden hager bis dürr. Das liegt daran, dass sie wegen der nachlassenden Körperfunktionen nicht mehr so erfolgreich jagen können. Die gut genährten, bewegungsarmen Stubenkatzen dagegen neigen im Alter zur Fettleibigkeit. Fettsucht strapaziert die Gelenke und führt zu Stoffwechselfolgen, z. B. Diabetes mellitus, der mit Diät und ggf. auch mit regelmäßigen Insulingaben behandelt werden muss. Das Fell wird oft schütter oder struppig und verliert an Glanz. Da die Katze sich weniger putzt als in jungen Jahren, ist regelmäßiges Bürsten angebracht. Hefeflocken, aufs Futter gestreut, sollen zur Verbesserung der Fellqualität beitragen. Die Zähne sollten in regelmäßigen Abständen vom Tierarzt begutachtet werden. Bei fast allen Hauskatzen hat sich Zahnstein gebildet, der zu schmerzhaften Zahnfleischentzündungen und in der Folge zum Ausfall von Zähnen führt und entfernt werden muss. In schweren Fällen müssen Zähne gezogen werden, um eine Vergiftung des gesamten Organismus zu verhindern. Übler Mundgeruch deutet auf solche Fäulnisprozesse hin. Dagegen ist die Katze jetzt weniger anfällig für Infektionskrankheiten, allerdings können aufgrund der schwacheren Konstitution eingekapselte Viren von früher zugezogenen Infektionen aktiv werden und zu FeLV (Leukose) oder FIP (Bauchwassersucht) führen.
Alter ist keine Krankheit, begünstigt aber die Entstehung gesundheitlicher Probleme. Unterstützen Sie Ihren alt gewordenen Liebling, zum Beipiel mit dem entspannenden Tellington Touch, und gönnen Sie der Katze geruhsame letzte Jahre und regelmäßige Tierarztbesuche.
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